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Dr. Uwe Gross

Unternehmen der Zukunft – Strategische Perspektiven der IBM

Dr. Uwe Groß, Geschäftsführer IBM Deutschland EAS GmbH, Leader Consulting Services IBM Deutschland

Dr. Uwe Groß ist Partner in der Unternehmensberatung IBM Global Business Services und leitet seit Mai 2012 den IBM-Bereich Consulting Services. Die Steuerung großer IT-Services- und Transformationsprojekte ist der Arbeitsschwerpunkt des Wirtschaftsinformatikers.

Drei Entwicklungen bestimmen für Uwe Groß das global integrierte Unternehmen der Zukunft und treiben dessen Innovationen voran: die zunehmende Digitalisierung der kundenbezogenen Prozesse, die weitere Integration und Harmonisierung der Backend-Prozesse sowie die intelligente Nutzung der dabei stetig wachsenden Flut von Daten. Diese werden nach seiner Einschätzung künftig die Bedeutung eines „Rohstoffs“ haben.

„Wir befinden uns in einer permanenten Umwandlung“, sagt Groß. Arbeitsteilung auf der einen und Zentralisierung der operativen Steuerung auf der anderen Seite bestimmten heute das Tagesgeschäft. Das Schwinden der Grenzen des Unternehmens und dessen Öffnung ins Internet aber eröffneten einen neuen Handlungsspielraum. „Innovation findet man nicht in der Mailbox. Sie findet dort statt, wo Menschen aufeinander treffen – auch im Netz“, sagt der Wirtschaftsinformatiker. „Und wir müssen die Schwarmintelligenz nutzen, die in uns allen steckt.“ Die Grundidee von Plattformen wie Xing oder Facebook wird nach seiner Überzeugung auch ins normale Geschäftsleben einziehen.

Auswirkungen wird dies nach seiner Prognose vor allem auf den Front-Office-Bereich als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden haben. Hier findet die externe Kommunikation schon heute über viele verschiedene reale und virtuelle Kanäle statt, die bislang noch nicht optimal miteinander verknüpft sind. Die Öffnung des Kundengeschäfts ins Netz aber bietet neue Instrumente für Marketing und Produktentwicklung. Umfragen, die Verfolgung von Diskussionen über bestimmte Produkte oder die Auswertung von Stimmungsbildern in Foren etwa geben direkter und schneller Aufschluss über die Erwartungen und Interessen der Endverbraucher als klassische Instrumente: „Wir können im Netz zuhören, erforschen, was die Menschen wirklich brauchen, und die Investitionen dort einsetzen, wo der Bedarf am größten ist“, erklärt Groß.

Neben der Nutzung von Social Media als Kanal für Marketing, PR und Kundenpflege kommt auch dem Social Business eine immer größere Bedeutung zu. „Diese Plattformen werden sich weiterentwickeln zu Social-Business-Plattformen“, prognostiziert der Experte. Mit der Einbeziehung der „Community“ könnten Expertisen zusammengeführt, vielfältige Kapazitäten freigesetzt, Geschäftsprozesse transparenter und die Entscheidungsfindung verbessert werden. „Social Business bringt alle Beteiligten der Wertschöpfungskette zusammen." Vor allem aber ebne das Netz einen Weg in eine neue Innovationskultur.

Was dies in der Praxis bedeuten kann, zeigt die neue Arbeitswirklichkeit, die bei IBM zum Teil schon Einzug gehalten hat. Instrumente wie Webkonferenzen, Instant Messaging und eine kollaborative Plattform, auf der sich Projektteams vernetzen können, sollen die interne Abstimmung verbessern. Über Blogs, Social Bookmarks, Wikis oder so genannte Follower, die Experten folgen, wird Know-how besser und schneller verteilt. Werden Mitarbeiter mit einem besonderen Know-how gesucht, steht zum Beispiel das so genannte Practitioner Network zur Verfügung, in dem Fähigkeiten und Jobrolle eines jeden Beschäftigten hinterlegt sind. Selbst Unternehmensentscheidungen werden bei IBM zum Teil online vorbereitet. In virtuellen Veranstaltungen können die Mitarbeiter sich in JAMs über mehrere Tage zu bestimmten Themen austauschen. So fand etwa im Jahr 2003 ein globaler JAM zu den Unternehmenswerten statt. 2006 beteiligten sich mehr als 150.000 Menschen aus 104 Ländern und 67 Firmen an einem solchen Brainstorming der neuen Generation zum Thema Innovation. Ihre Beiträge wurden diskutiert, gerankt und ausgewertet. „So wird das Netz zum Innovationslabor“, glaubt Unternehmensberater Groß.

Einen weiteren Schub und eine Herausforderung zugleich wird nach seiner Einschätzung ein Phänomen bringen, das gemeinhin unter dem Begriff Big Data subsumiert wird und dessen Ausmaße und Folgen bislang noch nicht zu beziffern sind. „Überall werden Daten erzeugt, weiterverarbeitet und verschickt. Alle hinterlassen digitale Spuren und die meisten von ihnen werden gespeichert“, beschreibt der IBM-Experte das Szenario.

Die Quellen der Daten können heute nahezu überall liegen: in Handys, Kameras, Smart Meters, verschiedenen Sensoren und jeglichen Netzaktivitäten. Ebenso vielfältig sind die möglichen Anwendungen, die sich in Zukunft ergeben könnten, zum Beispiel im Verkehrsmanagement, in der Gesundheitsversorgung, bei Finanzdienstleistungen, in der Logistik und natürlich über alle Industrien verteilt im Geschäftsleben. Die Vielfalt von Daten werde, so Groß, Marketing- und Kundendienstexperten in Zukunft immer mehr verkaufsfördernde Informationen liefern.

Die technische und intellektuelle Herausforderung sei es nun, dieses Datenmaterial zusammenzuführen, um kostengünstig zu neuen Erkenntnissen zu gelangen und neue Anwendungsgebiete zu erschließen. Insofern ist die „sinnvolle Verknüpfung der Daten“ für Groß keine „Horrorvorstellung“, sondern vielmehr Ausnutzung des „Treibstoffs“, der die Unternehmen vorwärtsbewegen wird, damit sie den Anforderungen des globalen Marktes besser begegnen können.