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Frau Delgado

„Es braucht einen langen Atem, um Wandel nachhaltig zu gestalten“ – Erfolgsstrategien der SAP

Luisa Delgado, Personalvorstand und Arbeitsdirektorin, SAP AG

Luisa Delgado ist seit September 2012 Personalvorstand und Arbeitsdirektorin der SAP AG. Zuvor war die studierte Juristin mehr als zwanzig Jahre im Personalbereich von Procter & Gamble tätig und von 2009 bis 2012 Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin von P&G Nordic.

Ein fester Wertekanon muss nach Luisa Delgados Überzeugung die Grundlage bilden für die Strategien, die der rasante Umbruch in der IT-Branche verlangt. Hierzu gehören Nachhaltigkeit als Richtschnur für alle Unternehmensbereiche, die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung über die ökonomischen Interessen des eigenen Konzerns hinaus und eine neue Sicht auf die Beschäftigten. Eine besondere Rolle bei der Gestaltung des Unternehmens der Zukunft spielt die Neudefinition von Führung.

„Die IT-Branche ändert sich von Woche zu Woche. Was heute richtig ist, ist morgen vielleicht schon überholt“, berichtet die SAP-Arbeitsdirektorin. „Unsere Werte aber ändern sich nicht jeden Tag. Sie sind der Kompass unseres Unternehmens.“ Eine Vielzahl von Trends und Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft sowie technologischen Innovationen bestimmt nach ihrer Beobachtung die neuen Rahmenbedingungen. Die Bevölkerung ändere sich durch das starke Wachstum der Mittelschicht und eine zunehmende Urbanisierung. Die BRIC-Länder entwickelten sich zu Wirtschaftstreibern: „Die Diversität nimmt zu und dieses Phänomen müssen wir genau verstehen“, sagt Delgado.

Zugleich müssten die Unternehmen sich angesichts explodierender Datenmengen, zunehmender Mobilität und der wachsenden Bedeutung von sozialen Netzwerken neu orientieren. Damit einher gehe eine neue Erwartungshaltung bei Kunden und Endverbrauchern: „Sie wollen mehr als nur Produkte von uns“, beobachtet die Expertin. „Sie wollen nachhaltige Lösungen, langfristige Unterstützung und eine Partnerschaft.“ Deswegen müsse der Kunde am Anfang von Strategieplanung und Prozessorganisation stehen.

Nicht zuletzt bemerkt die Personalexpertin einen Bewusstseins- und Mentalitätswandel bei den Beschäftigten: „Sie verkaufen ihre Fähigkeiten und ihre Arbeitskraft heute nur für eine begrenzte Zeit, dann ziehen sie weiter.“ Auch in der IT-Branche wird zunehmend die Frage nach der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit gestellt. Nachhaltige, vertrauenswürdige und verantwortungsvolle Marken und Firmen stünden hoch im Kurs, so Delgado. Diese neuen Herausforderungen haben nach ihrer Auffassung gravierende Auswirkungen auf die Personalpolitik. Neue Methoden seien gefragt, lineare Ausbildungs- und Karrierepfade gehörten der Vergangenheit an.

„Wir sehen jeden einzelnen Mitarbeiter als Talent an und unsere wichtigste Pflicht ist es, jedem die Chance zum Lernen zu geben und ihn weiterzuentwickeln“, erklärt Delgado. Trotz ständiger Veränderungen am Markt und der daraus resultierenden Notwendigkeit zur Flexibilität brauchten Beschäftigte Kontinuität. Das Gefühl, ständig umstrukturiert und dabei in eine passive Rolle gedrängt zu werden, führe zu Machtlosigkeit und sei der Auslöser für Stress. Deswegen mache SAP ihre Beschäftigten zum Teil eines Wandels, der ihnen auch Chancen biete, sich in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln.

Denn Fähigkeiten sind nach Delgados Erfahrung nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ebenso müssen sich Rollen ausprägen und ändern können. Entscheidend sei dabei ein Ausgleich zwischen fachlichem Tiefgang und einer großen persönlichen Bandbreite: „Expertentum allein reicht nicht aus“, ist das Vorstandsmitglied überzeugt. In besonderem Maße trifft dies auf die Führungskräfte zu. „Niemals zuvor hat sich der Fokus derart auf ihre Rolle gerichtet wie heute.“ Aufgabe des Führungspersonals sei heute, den Mitarbeitern zu geben, was sie brauchen, Mentor, Moderator und Netzwerker zu sein. „Wer dies nicht verinnerlicht, ist in der neuen Unternehmenswelt zum Scheitern verurteilt.“

Nach Delgados Verständnis sind die Führungskräfte der Dreh- und Angelpunkt, von dem sich alle Erfolgsfaktoren eines Unternehmens ableiten lassen. „Wir brauchen Menschen, die Brücken bauen können – zu Mitarbeitern und Teams wie auch zu Kunden, Verbrauchern und Partnern.“ Respekt und „Followership“ bekomme man nicht nur, weil man ein guter Geschäftsmann sei, sondern als authentische Persönlichkeit, beschreibt Delgado den Weg zur Akzeptanz im Unternehmen. „Führen darf nicht auf Machtgewinn ausgerichtet sein.“ Mit Blick auf die Außenkontakte erwartet Delgado ein ähnliches Fingerspitzengefühl: „Wenn ich einen Deal gewinne, der meinem Kunden Nachteile bringt, werde ich mit ihm keinen weiteren Abschluss machen.“

Entscheidend für den Erfolg des Unternehmens der Zukunft ist für Delgado auch eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen gemeinsame Werte finden für das Wohlergehen ihres Unternehmens.“ Ziel sei eine Win-win-Situation. Für die Bewältigung des Wandels braucht die IT-Landschaft nach ihrer Ansicht jedenfalls einen langen Atem: „Das hier ist ein Marathon-Lauf, kein Sprint.“