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Perspektiven und Lösungsansätze: Berufsbildung

Für das Handlungsfeld Berufsbildung wurden Herausforderungen und Lösungsansätze von Unternehmen (Pironet und Szenaris/Ray Sono), von der IG Metall, von der Technikakademie Weilburg als Berufsfachschule sowie von Cert IT als Zertifizierungsorganisation aus ihren Perspektiven formuliert.

Dies spiegelt wider, dass es sich bei der Berufsbildung um ein kooperatives Gestaltungsfeld handelt, in dem Akteure auf den unterschiedlichsten Ebenen beteiligt sind: die Lernorte berufliche Schule und Betrieb, die Sozialpartner, andere Einrichtungen wie IHKen und Zertifizierungsorganisationen.

Der Fokus der Beiträge lag zum einen auf dem Problem der internationalen Vergleichbarkeit und Anerkennung von Qualifikationen und Abschlüssen. Den Entwicklungen auf der europäischen Ebene mit EQF und E-CF wurde eine hohe Bedeutung für eine nachhaltige Fachkräfteentwicklung in Europa zugewiesen. Die Anforderung an eine nationale Umsetzung wurde betont. Zum anderen wurde v.a. seitens der Unternehmen die Notwendigkeit der Anpassung der Berufsbilder an neue Anforderungen formuliert.

Im Einzelnen wurden folgende Herausforderungen und Lösungsansätze dargestellt:

-  Auf europäischer Ebene wird intensiv diskutiert, was notwendig ist, um die Fachkräfteentwicklung in Europa nachhaltig zu steuern. Als besondere Herausforderung wird hier aktuell gesehen, dass sich mit den formalen beruflichen Abschlüssen und den Hersteller - bzw. Organisationszertifikaten Parallelwelten entwickeln. Es wird die Gefahr gesehen, dass das formale Berufsbildungssystem mit seinen Zertifikaten und Abschlüssen abgehängt wird zugunsten dieser privatwirtschaftlichen Zertifikate, Die könne zur Folge haben, dass „Qualifizierung zunehmend nach Herstellerinteressen und kurzfristigen kommerziellen Interessen" statt am Ziel einer nachhaltigen Fachkräfteentwicklung erfolgt.

- Vor diesem Hintergrund wurden auf europäischer Ebene Qualifikationsrahmen entwickelt, die eine wichtige Basis für Vergleichbarkeit und Transparenz bei Qualifikationen und Bildungsabschlüssen darstellen: EQF (European Qualification Framework) und E-CF („e-competence framework") als Übersetzung für den IT-Bereich. EQF und E-CF schaffen auch für die Berufsbildung eine Grundlage, um nationale Berufsbilder und deren Abschlüsse in den europäischen Kontext zu integrieren.

- Unter dem Stichwort „Transparenz von Bildungsgängen über EQF bzw. DQR" wurde ergänzt, dass nun die nationalen Qualifikationsrahmen anzupassen und darüber nationale Abschlüsse und Zertifikate in den europäischen Rahmen zu integrieren sind (DQR, Deutscher Qualifikationsrahmen).

- Darüber hinaus wird über eine weitergehende Vereinheitlichung der Berufsbildung durch gemeinsame Standards und Abschlüsse („Europäische Kernberufe") in Europa diskutiert, um das „Berufsprinzip" in Europa nachhaltig zu stabilisieren.

- In der aktuellen Entwicklung sind die Anforderungen verschiedener Ebenen unter einen Hut zu bekommen: die „Beschäftigten" mit ihren individuellen Anforderungen an Qualifizierung und Karriereentwicklung, die „Betriebe vor Ort" mit ihren PE-Konzepten, die „Deutschland" bzw. die jeweilige nationale Berufsbildung mit den beteiligten Akteuren sowie die „europäische Ebene".

- Ein wichtiger Baustein in der Einstellung der Berufsbildung auf die Herausforderungen der Globalisierung besteht in der Etablierung von Standards und Zertifikaten für berufsbegleitend erworbene Qualifikationen. Das Weiterbildungssystem APO-IT bietet hier viele gute Lösungsansätze, die es jetzt gilt, in der Praxis um- und durchzusetzen.

- Mit der zunehmenden Bedeutung „Lebensbegleitenden Lernens" spielt die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Ausbildungsformen und -ebenen eine zentrale Rolle. Gerade im IT-Bereich wird aktuell die Forderung nach der Anerkennung der „Gleichwertigkeit von Studium und Berufsbildung" verbunden mit beruflicher Erfahrung formuliert. Die Anrechnung beruflicher Leistung auf Hochschulzugänge bzw. die Anerkennung der Äquivalenz beruflich erworbener Qualifikationen und Hochschulabschlüssen ist das Thema des ANKOM-Projekts. Im Rahmen des ANKOM-Projekts wird an konkreten Beispielen geprüft, ob und welcher Form beruflich erworbene Qualifikationen mit Hochschulabschlüssen vergleichbar sind und auf welchem EQF-Level sie zu verorten sind. Ein Teilvorhaben ist hier das CREDIVOC-Projekt, an dem die Technikerschule Weilburg beteiligt ist.

- Aus deutscher Sicht stellt sich die Frage „Haben duale Berufe eine Zukunft?" Auf dem mittlerem Qualifikationsniveau verfügt Deutschland mit der dualen Berufsausbildung über hochwertige Ausbildungswege und Abschlüsse. Sie verbinden eine fundierte schulische Ausbildung mit einer praxisnahen betrieblichen Ausbildung. Allerdings geraten sie mit der zunehmenden Bedeutung privatwirtschaftlicher Zertifikate besonders unter Druck. Eine zentrale Herausforderung wird darin gesehen, die dualen Berufe gerade auch im IT-Bereich in Zukunft zu erhalten und zu stabilisieren.

- Um dies zu erreichen muss die Innovationsfähigkeit der dualen Berufsausbildung im Vordergrund stehen. Zu fragen ist hier: „Stimmen die Inhalte und Lernformen im internationalen Wettbewerb?" Ein „schneller Innovationstransfer zwischen betrieblichen Entwicklungen und der Aus- und Weiterbildung" ist dafür von zentraler Bedeutung.

- Berufsbilder wie der „Fachinformatiker" oder der „Mediengestalter" müssen angesichts der dynamischen Veränderungen in den beruflichen Anforderungen permanent gepflegt und in ihren Ausbildungsinhalten angepasst werden. Ein Baustein für die „Anpassung der Ausbildungsinhalte" für Fachinformatiker und Mediengestalter kann hier die Entwicklung einer „Lerneinheiten ‚Globalisierung' als e-Learning" sein.

- Auch in der beruflichen Bildung sind neue Lernformen zu etablieren und zu professionalisieren. Hier sind die Stichworte „selbstgesteuertes Lernen" und „Arbeitsprozessorientierung" im Lernprozess zu nennen. Dafür wurde mit dem Weiterbildungssystem APO-IT ein innovatives Konzept vorgelegt.

- Mit Blick auf die Innovationsanforderungen an beruflichen Schulen kann teilweise an Erfahrungen aus Modellversuchen aus den 1980er und 1990er Jahren angeknüpft werden. Angesichts des damaligen Wandels in den Unternehmen (prozessorientierte Restrukturierung), gerieten berufliche Schulen mit einer fächerorientierten Organisation der Ausbildung unter Druck. Bereits damals wurde als Herausforderung formuliert, die berufliche Aus- und Weiterbildung verstärkt am betrieblichen Geschehen statt an Fächern auszurichten. Berufliche Schulen müssen verstärkt in die Unternehmen hineingehen und sich den dortigen Herausforderungen stellen. „Fächerübergreifende Verbundaufgaben", im Verbundsystem am Unternehmen lernen in Form von Team- und Projektarbeit sind Lösungsansätze auch für die Herausforderungen der Globalisierung. zurück zur Übersicht