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Hans-Joachim Weis, Bereichsleiter Zielgruppen und Gleichstellung, IG Metall Vorstand

Joachim Zepelin: Lässt sich heute bereits eine erste Zwischenbilanz der Globalisierung ziehen und wenn ja, mit welchem Ergebnis? Welche Tendenzen erkennen Sie?
Hans-Joachim Weis:
Die IT-Branche ist zweifellos ein Vorreiter, und IT ist zunehmend die Treibertechnologie auch für die klassische Industrie. Nichtsdestoweniger haben wir bei der IG Metall klassische Branchen, wie etwa die Automobilbranche, die überaus stark globalisiert ist. Dort haben wir die Erfahrung gemacht, dass fast die Hälfte der Offshoring-Maßnahmen nach wenigen Jahren wieder zurückgedreht werden.Insgesamt stehen wir noch am Anfang der Globalisierung.Mitarbeiter machen in den letzten Jahren viele Erfahrungen, die durchaus Ängste vor der Globalisierung begründen, wie etwa dass Entwicklungsabteilungen verlegt werden oder auch, dass Personalakten plötzlich in Tschechien oder Rumänien bearbeitet werden. Bei solchen Umstrukturierungen wird die eigene Austauschbarkeit den Mitarbeitern vor Augen geführt.

Joachim Zepelin: Wie beschreiben Sie in diesem Zusammenhang die Aufgaben der Betriebsräte?
Hans-Joachim Weis:
Die große Herausforderung an die Betriebsräte wird sein, einerseits die Arbeitsbedingungen zu gestalten und andererseits den Dumpingwettbewerb auf Kosten der Belegschaften zu vermeiden. Daher ist es wichtig, dass auch die Belegschaftsvertreter sich weltweit austauschen. Dazu brauchen wir festere Strukturen und ein globales Netzwerk, das heißt Europa- und Welt-Betriebsräte. Es muss darum gehen, dass die Arbeitsbedingungen in Ländern wie Asien angehoben werden anstatt umgekehrt, dass also Arbeitsbedingungen international nach dem Muster in Europa gestaltet werden. Das gilt auch für Zulieferer.
In Zukunft muss sich ein lokaler Betreuer eines Betriebes darauf einstellen, auch die internationale Arbeit und Entwicklung des Betriebes im Blick zu haben. Gleichzeitig müssen wir mit der Organisation IG Metall in der Lage sein, gemeinsam mit dem Europäischen und dem Internationalen Metallgewerkschaftsbund die Infrastruktur zur internationalen Begleitung bereitstellen zu können. Aber die Unternehmen müssen diese Angebote auch annehmen.

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