GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

PD Dr. Andreas Boes, Projektleiter GlobePro und Vorstand ISF München

Joachim Zepelin: Was haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren aus der Globalisierung gelernt und welche Gefahren bestehen?
Andreas Boes:
Ich erkenne eine deutliche Lernkurve. Am Anfang ging es den Unternehmen mit Blick auf die Globalisierung nur um Kostensenkung und um die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Dies führte zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Beschäftigten und viele Hochqualifizierte haben sich in dieser Situation zum ersten Mal als eine austauschbare Nummer erlebt. Doch inzwischen haben die Unternehmen gelernt, dass Kostensenkung keine Strategie ist. Mir fällt auf, dass Unternehmen erkennen, dass sie sich auf eine neue Phase der Globalisierung einstellen müssen. Wesentlich ist, dass sie sehr viel stärker auf nachhaltige Strategien als auf eine kurzfristige Kostensenkung setzen. Inzwischen sind sich die Unternehmen bewusst, dass sie die Mitarbeiter sensibel adressieren und mitnehmen müssen. Und zu guter Letzt ist man in den großen Unternehmen sehr viel stärker bemüht, zu gemeinsamen Vereinbarungen mit dem Sozialpartner zu kommen. Doch das gilt nur für die deutschen Unternehmen. Wenn die Kernbelegschaft nicht in Deutschland sitzt, kann das ganz anders aussehen und das müssen wir im Blick behalten.

Joachim Zepelin: Was können deutsche Unternehmen zurzeit falsch machen?

Andreas Boes: Die Stärke der IT-Industrie in Deutschland, dass sie hochgradig klein- und mittelständisch strukturiert ist, könnte sich mit Blick auf die neue Phase der Globalisierung als Problem herausstellen. Hier fehlt oft die kritische Masse und die Versuche, diese Gefahr durch ein Partnering mit Global Playern, z.B. aus Indien, zu bewältigen, konnten bisher nicht erfolgreich realisiert werden.
Das größte Problem sehe ich allerdings darin, dass wir das aktuelle Zeitfenster nicht nutzen um nachhaltige Strategien zu entwickeln, die den spezifischen Stärken des IT-Markts in Deutschland gerecht werden. Bei einer weiteren Radikalisierung der Konkurrenz wäre dann zu befürchten, dass die Globalisierung wieder verstärkt als Erpressungsinstrument gegenüber den Menschen genutzt werden könnte.

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