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KMU brauchen mehr Unterstützung beim gemeinsamen europäischen Rahmen für ITK Fach- und Führungskräfte aller Branchen - dem „e-Competence Framework"

19.03.2010 | 15:19 | Susann Mathis

Wilfried Berlin, Competence-Manager bei Airbus Deutschland GmbH, gehört zur Expertengruppe "European e-Competence Framework in Action". Im Interview für GlobePro hat Wilfried Berlin einige Fragen zur Arbeit der Expertengruppe beantwortet.

Susann Mathis: Herr Berlin, wie schätzen Sie die internationale Gemeinschaftsarbeit zum europäischen Kompetenzrahmen ein?
Wilfried Berlin: Die Zusammenarbeit an sich funktioniert hervorragend. Die Vertreter aus den unterschiedlichen Ländern sind untereinander sehr hilfsbereit und kooperativ, auch bei lästigen Problemen, welche sich zum Beispiel daraus ergeben, dass wir alle in unterschiedlichen Rechtsräumen unterwegs sind.
Susann Mathis: Sie sagen „die Zusammenarbeit an sich", das klingt nach einem aber. Wo sehen Sie Probleme?
Wilfried Berlin: Ich sehe eine große Diskrepanz zwischen den Ergebnissen unserer Arbeit und deren Realisierung. Wir wissen nicht, ob auf die Ergebnisse zugegriffen wird oder ob die Themen weiter entwickelt werden. Symptomatisch war zum Beispiel die Veranstaltung im Rahmen der CeBIT zu e-skills. Anwesend war ein relativ kleiner Aktivistenkreis. Das ist schade, denn wir brauchen viele Multiplikatoren. Gerade da wir alle im ICT- Bereich allgemein weiterhin einen Mangel an ICT Fachkräften erwarten, sollte die Motivation zum gemeinsamen und zielgerichteten Handeln größer sein.
Susann Mathis: Woran liegt es, dass sich nicht mehr Multiplikatoren angesprochen fühlen?
Wilfried Berlin: Hier deutet sich eines der allgemeinen Probleme solcher Projekte an: Entweder haben wir Projektergebnisse, die stark auf die Industrie zugeschnitten sind oder wir haben Ergebnisse, die wissenschaftlich sehr sauber ausgearbeitet sind. Aktuell dominieren Projektergebnisse mit hervorragender wissenschaftlicher Begleitung im Schwerpunkt. Aber wissenschaftliche Ergebnisse, die nicht haarscharf zur aktuellen Situation passen, werden von der Industrie ignoriert. Um auch diese Ergebnisse zum direkten Handeln nutzbar zu machen, müssten die „Verbraucher" unserer Arbeitsergebnisse früher einbezogen werden, dann würde sich der Gebrauchswert der Ergebnisse erhöhen.
Susann Mathis: Was könnte hier getan werden?
Wilfried Berlin: Hier gibt es keine einfache Lösung. Wir haben, grob gesehen, zwei ganz unterschiedliche Kundenkreise für unsere Ergebnisse. Zum einen die Großunternehmen, zum anderen die kleinen und mittleren Unternehmen, die KMU. Betroffen vom Anlass und auch von den Ergebnissen unserer Projektarbeit ist der individuelle Arbeitnehmer. Die Mehrzahl der ICT- Arbeitnehmer aber arbeitet in einem KMU, nicht in der Industrie. Die Ergebnisse der Projektarbeit müssten also für die KMU konsequenter übersetzt werden. Der wirtschaftliche Spielraum, jemanden für die Kooperation in internationalen Projekten abzustellen, ist in einem kleinen Unternehmen in der Regel nicht gegeben. Wenn dann aber Maßnahmen ergriffen werden, brauchen diese Unternehmen in erster Linie Unterstützung, damit sie die richtigen Maßnahmen auch auswählen können. Oder zugespitzt formuliert: KMU brauchen Beratung, um sich die richtige Beratung auszusuchen. Hier müssen wir eine Lösung finden.
Susann Mathis: Und wenn nicht, was passiert dann?
Wilfried Berlin: 2002 haben wir beschlossen, dass Europa der größte wissensbasierte Wirtschaftsraum der Erde werden soll. In der Praxis gilt gleichzeitig das Gebot der größten Wertschöpfung - ob man das nun gutheißt oder nicht. Da diese Wertschöpfung aber größer ist, wenn man in Ländern mit niedrigeren Löhnen produziert, hat sich in den letzten Jahren das europäische Wertschöpfungspotenzial stark verändert. In Europa müssen wir umso mehr diejenigen Fähigkeiten weiter entwickeln, mit denen wir unser Lohnniveau halten können. So einfach ist das.
Susann Mathis: Herr Berlin, vielen Dank für das Gespräch.

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