GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

Personalentwickler Thomas Hennig von Pironet NDH zur beruflichen Aus- und Weiterbildung in der IT-Branche

11.11.2009 | 14:21 | Susann Mathis

Thomas Hennig von Pironet NDH erwidert auf den letzten Beitrag von Andreas Boes: "Andreas Boes stellt in seinem Beitrag über die Ausrichtung des Projekts GlobePro die  die Frage, welche Aspekte die anderen Projektpartner jeweils in den Mittelpunkt stellen. Es ist richtig und wichtig, diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt nochmal neu zu stellen. Der Projektstart und die ersten Monate waren ein intensiver Lernprozess, um zu konkretisieren, wo die Reise hingehen soll.

Zunächst zur allgemeinen Einschätzung: In manchen Fällen kann man das klassische Henne-Ei-Problem konstatieren: einerseits ist die Informationstechnologie die Treiberin der Globalisierung, andererseits haben globalisiertes Engagement und weltweite Geschäftsbeziehungen die Entwicklung der Informationstechnologie eingefordert.

Die Innovationen in einzelnen IT Branchensegmenten zwingen insofern genauso auch IT Unternehmen in anderen Bereichen zu Veränderungen. Wenn Andreas Boes sagt, wir befinden uns in der dritten Phase der Globalisierung, und die IT-Branche sei ihr Vorreiter, stellt sich mir die Frage, ob das wirklich auf alle IT Unternehmen gleichermaßen und speziell auf den Mittelstand so zutrifft. Natürlich nutzen wir die Innovationen der großen Player der IT-Branche. Genauso nutzen wir den globalen Informationsraum für unsere Projekte. Wir haben international vernetzte Geschäftsbeziehungen. Die Konzernstrukturen selbst und Unternehmensbeteiligungen sind international. Und die Zertifizierung von Prozessen und Mitarbeitern nach international gültigen Standards wie ITIL oder PRINCE2 erhält eine zunehmende Bedeutung. Tatsächlich sind wir aber auch weiterhin sehr stark den regionalen Besonderheiten unserer Standorte unterworfen und haben regionale Zielmärkte im Fokus. Die Pironet NDH ist ein IT-Dienstleister mit insgesamt ca. 500 Mitarbeitern und internationalen Standorten in Europa, Nordamerika und Asien.

Aus meiner Sicht befindet sich die Pironet NDH aktuell in allen drei Phasen der Globalisierung gleichzeitig: Wir nutzen die Technologien der dritten Phase, unser Geschäft befindet sich aber auch in vielen Bereichen in Phase eins. Für den Mittelstand existieren meines Erachtens insofern eher drei Typen der Globalisierung, die parallel existieren.

Für uns fokussiert sich die Diskussion um die berufliche Aus- und Weiterbildung heute folgendermaßen. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: vermitteln wir die richtigen Kompetenzen? Und wenn ja vermitteln wir sie in der richtigen Art und Weise und zum richtigen Zeitpunkt?

In der Ausbildung müssen die wesentlichen Grundlagen für das spätere Arbeitsleben im IT Bereich gelegt werden. Hier stellen wir jedoch beispielsweise oft fest, dass viele aktuelle Trends und Technologien noch gar nicht von den Berufsschulen erfasst und als Lerninhalt vermittelt werden. Unsere durchschnittliche IT Fachkraft dagegen hat meist zu wenig Zeit für die klassische Weiterbildung in Vollzeit. Er oder sie ist überwiegend in Projekten eingesetzt, sowohl inhouse als auch beim Kunden vor Ort und generiert dabei im Zusammenspiel mit Kollegen anderer Fachbereiche und dem Kunden stetig neues Wissen. Häufig erschließt sich daher der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter nicht, inwiefern eine Schulung konkret nützlich sein kann, was man dort lernen soll. Stattdessen werden spezifische neue technische Lösungsmöglichkeiten und -beispiele eher in Internetplattformen ausgetauscht und in Diskussionsforen gesucht.

Für mich als Personalentwickler stellt sich natürlich die Frage, wie qualifiziere ich also Mitarbeiter, so dass sie optimal für ihre Tätigkeit aufgestellt sind und Probleme effizient und kreativ lösen können und gleichzeitig die aktuellen Technologien der Hersteller beherrschen. Provokant formuliert: Was unsere Mitarbeiter brauchen, das liefert keine Schulung. Viele Schulungen sind zudem sehr formal, abschreckend sind nicht zuletzt altmodische Prüfungsmethoden: die Mitarbeiter lernen auswendig und werden hinterher abgefragt. Ob im Online Verfahren oder im Multiple Choice Test vor Ort – bei vielen Zertifizierung ist das Prüfungsprozedere ähnlich. Die Weiterbildung ist zudem eher technikorientiert. Doch unsere Mitarbeiter sind meist ja auch Projektleiter.

Die Fachkräfte brauchen mehr und mehr Prozess- und Managementkompetenz. Sie müssen in komplexen Zusammenhängen agieren, Projekte steuern, kreative Lösungen entwickeln, Kundenwünsche verstehen und integrieren und gleichzeitig die Innovationen der Technik verstehen und kompetent einsetzen können. Daher stellt sich der Personalentwicklung zunehmend die Frage: Wie soll ich bei solch komplexen Anforderungen einzelne Kompetenzen klinisch herauslösen, die dann bei dem einzelnen Mitarbeiter die entscheidenden Stellschrauben sind, um ihm weiter entwickeln zu können?

Ein weiterer Aspekt, der dazu kommt: IT Zertifizierungen führen zu einem erheblichen Kostenaufwand bei den Unternehmen. Wie wird sich das zukünftig weiter entwickeln? Wird eine Bereinigung stattfinden in dem Sinne, dass sich die Vielzahl der notwendigen Zertifikate nur noch die großen Unternehmen leisten können, während die kleineren und mittleren Unternehmen ihre Mitarbeiter ohne Zertifikate in die Welt schicken?"

Liebe Projektpartnerinnen und Projektpartner: Wie lautet Ihre Einschätzung zu diesem Thema? Schreiben Sie einen Kommentar oder setzen Sie sich mit mir in Verbindung, um Ihre Meinung hier im Projekt-Blog zu veröffentlichen.

Ihre Susann Mathis

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