GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

Zertifizierung ist eine Grundlage der Kommunikation zwischen Kunden und Lieferanten

25.11.2009 | 16:14 | Susann Mathis

Für den VDEB Verband IT-Mittelstand e.V. als Interessenvertretung der kleinen und mittleren Informationstechnologieunternehmen (IT-KMUs) in Deutschland ist Qualifizierung ein Kernanliegen. Ohne Nachwuchsförderung und Stärkung der IT-Ausbildung ist nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Informationswirtschaft gefährdet, die auf Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung beruht, sondern verlieren viele junge Menschen ihre Berufsperspektiven. Der IT-Mittelstand ist sich seiner Verantwortung bewusst und ist deswegen in der Aus- und Fortbildung aktiv und fördert den Nachwuchs in den Kommunen vor Ort.

Die IT-KMUs können sich, anders als die Großunternehmen, nur unzureichend auf dem internationalen Arbeitsmarkt bedienen. Die Einkommensforderungen von Akademikern mit weltweiten Karrierechancen sind für die IT-KMUs zu hoch. Der Misserfolg des Greencard-Modells bestätigt dies heute. Der IT-Mittelstand ist auf fähigen Nachwuchs aus dem heimischen Bildungssystem angewiesen. Selbstverständlich ist die ethnische Herkunft des Nachwuchses dabei unwichtig, um allen Missinterpretationen vorzubeugen. Deswegen ist für den Verband IT-Mittelstand das Engagement für eine bessere Nachwuchsförderung eine vorrangige Angelegenheit.

Dementsprechend hat unsere Mitgliederversammlung das Thema IT-Nachwuchsförderung für 2010 als Schwerpunktthema ausgewählt. Unser nächster Roundtable zum Thema wird Anfang nächsten Jahres im Hause der CAS AG (Karlsruhe) stattfinden. Wir werden auch unser Engagement zum Thema Qualifizierung in der Arbeitsgruppe unserer europäischen Dachorganisation PIN-SME verstärken. Ein Positionspapier zum Thema Nachwuchsförderung wird derzeit beim Bundeswirtschaftsministerium in Vorbereitung zum IT-Gipfel eingereicht. Ich werde dieses Positionspapier auch im Projekt GlobePro zur Kontroverse stellen

Daher betrachten wir das Projekt GlobePro als einen wichtigen Beitrag Fakten, Meinungen, Anregungen zu sammeln, eine empirische Basis zu schaffen und eventuell Kooperationsbeziehungen anzustoßen, um weitergehende Projekte zu entwickeln, denn es besteht Handlungsbedarf.

Da der Mittelstand dem Leitgedanken „Think Global, Act local" folgt ist er zunächst einmal mit der nüchternen Wirklichkeit des deutschen Bildungssystems konfrontiert. Ich stimme Herrn Dr. Boes zu: agile Softwaremethoden wie Scrum sind die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der heutigen Zeit. Hierarchisch, zentralistische geplante Projekte wie die elektronische Gesundheitskarte dagegen sind Lösungen von Vorgestern und dienen nur den beteiligten Großunternehmen als Gelddruckmaschine. Der Rückzieher des neuen Gesundheitsministers war vollkommen richtig. Allerdings, wir sprechen hier von agilen Softwaremethoden, dabei sind viele grundlegende Angelegenheiten in der Schieflage. Es ist so als ob wir von Raketen für die Marsexpedition reden und dabei VW-Käfer fahren. Daher kann ich etliche Anmerkungen von Herrn Hennig nachvollziehen.

Das Schema von Dr. Boes fordert allerdings meinen Widerspruch heraus. So wie dargestellt, erweckt es den Eindruck als wäre die dritte Phase der Internationalisierung eine bruchlose Angelegenheit und die Aufschaltung von internationalen Standorten logisch reibungslos. Damit läuft man Gefahr, den Selbstdarstellungen der Marketingabteilungen der Global Player zu erliegen. Diese kommunizieren die Botschaft „Wir können alles" oder „All in One". Ist dies aber tatsächlich der Fall? Kann ein Global Player tatsächlich eine funktionierende Finanzbuchhaltung für Russland anbieten oder behauptet der Vertrieb dies einfach, um den Kunden zu gewinnen, während nachher erhebliche Kosten durch Anpassungen von Systemhäusern entstehen? Der spezialisierte Mittelständler, der sagen muss, wir können dies aber das nicht, gerät gegenüber den Versprechungen des Vertriebs häufig in das Hintertreffen. Meines Erachtens sind die Zertifizierungsanforderungen gemäß Prince auch der Versuch eine gemeinsame Kommunikationsgrundlage zwischen Kunden und Lieferanten herzustellen, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Daher haben Projektmanagementmethoden grundsätzlich ihren Sinn. Ob diese Zertifizierungen gewachsene Kundenbeziehungen, wie sie im Mittelstand häufig anzutreffen sind, ersetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Bemerkenswert ist jedenfalls die Bemerkung von Herrn Hennig, dass die Zertifizierungen zu Markteintrittsbarrieren für Mittelständler werden könnten. Wir kennen die Problematik. Daher entwickeln wir preiswerte, mittelstandgerechte Zertifizierungen.

Rolf Chung, VDEB Verband IT-Mittelstand e.V.

zurück zur Übersicht