GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

Leitorientierung für die Qualifizierung in einer global vernetzten Ökonomie

09.06.2011 | 11:08 | Susann Mathis

Am 30. und 31. Mai 2011 fand die Abschlusstagung des Förderschwerpunktes „Dienstleistungsqualität durch professionelle Arbeit" des BMBF-Förderprogrammes "Innovation mit Dienstleistungen" statt. Programm. Die Tagung präsentierte die wichtigsten Ergebnisse aus den Verbundprojekten und gab praktische Empfehlungen für die betriebliche Umsetzung.

Das Forum I, moderiert von Andrea Baukrowitz, befasste sich mit „Dienstleistungen in globalen Wertschöpfungsketten" und bot die Gelegenheit, zentrale Ergebnisse des Projekts GlobePro zu präsentieren. Im Zentrum stand die Qualifizierung als strategischer Erfolgsfaktor einer nachhaltigen Globalisierung: Es muss darum gehen, die Menschen zu befähigen, sich auf eine veränderte Fachlichkeit in einem globalen Handlungskontext einzustellen. Dafür bedarf es nicht einzelner Maßnahmen, sondern ganzheitlicher Konzepte.

Dr. Tobias Kämpf fasste die die Ergebnisse der Forschung am ISF München so zusammen: "Strategien für eine nachhaltige Globalisierung müssen den Menschen und seine Qualifikationen in den Mittelpunkt stellen. Es geht um ...
1. Qualifizieren für globale Handlungskontexte. Das beinhaltet, Mitarbeiter zu befähigen, ihr berufliches Selbstverständnis in einem globalen Handlungskontext neu zu bestimmen, so dass sie sich souverän bewegen können in einer globalisierten Arbeitswelt mit neuen Formen globaler Arbeitsteilung und neuen Tätigkeitsfeldern im globalen Informationsraum
2. Qualifizieren für die Arbeit in und mit Prozessen. Das bedeutet, Menschen zu befähigen für intelligenten Umgang mit Prozessen, also Prozessmodelle kennen und verstehen, Rollenidentitäten flexibel und situativ ausfüllen können und gleichzeitig Bewusstsein für „das Ganze" schaffen - Orientierung und Verortung in einer systemischen Organisation
3. Qualifizieren für „kommunikative Fachlichkeit" (Bultemeier 2011). Das schließt ein, Mitarbeiter zu befähigen, sich in einer neuen „Öffentlichkeit" zu bewegen, eigenes Wissen einbringen, vermitteln und teilen und mit einer Vielzahl von Akteuren zu kommunizieren, z.B. verstehen, welches Wissen zu welchem Zweck kommuniziert werden muss - Bezugnehmen können auf die Fachlichkeit einer Vielzahl von Akteuren
4. Qualifizieren für kollektives Lernen. Das heißt, Mitarbeiter zu befähigen, Prozesse kontinuierlich zu verbessern, so dass sie ihre fachliche Expertise kommunikativ vermitteln können, über das Gesamtsystem reflektieren, Produkt- und Kundenorientierung als Ausgangspunkt für Lernprozesse nehmen und ihre individuelle Weiterentwicklung reflektieren und systematisieren."

Download Vortrag Eine global vernetzte Ökonomie braucht die Menschen, PD Dr. Andreas Boes, Andrea Baukrowitz, Dr. Tobias Kämpf, Dr. Kira Marrs (ISF München)

Der Beitrag Kleine Dienstleistungsunternehmen in einem globalen Markt - Herausforderungen für die Mitarbeiter, Klaus Bock-Müller, Heike Kißner (szenaris GmbH Bremen) konzentrierte sich auf die Einbettung kleiner Unternehmen in internationale Wertschöpfungsketten und die Folgen für die Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter. Durch die höheren Anforderungen in der Arbeit in internationalen Projekten sind zunehmend alle Mitarbeiter betroffen, das gilt auch für kleinere und mittlere Unternehmen. Die reine Fachkompetenz reicht nicht mehr aus - notwendig wird immer mehr der „Blick über den Tellerrand".

Beim Thema Internationale Qualifikationsstandards: Chancen und Risiken für den Dienstleistungsstandort Deutschland wurde herausgearbeitet, dass mit der Globalisierung nicht nur die Qualifikation an sich immer wichtiger wird, sondern damit auch deren Transparenz und internationale Vergleichbarkeit. Prof. Dr. Michael Ehrke (Universität Lüneburg, IG Metall) und Karl-Heinz Hageni (IG Metall) formulierten strategische Ziele:
• die Verbesserung der Arbeitskräftemobilität in Europa (bisher 2%)
• internationale Karriereperspektiven auch für die mittlere Fachkräfteebene entwickeln
• Sich in der Qualifikationsentwicklung an anerkannten Standards und nicht an Herstellerzertifikaten zu orientieren

Sie stellten die Potentiale des e-CF (europäische e-Competence Framework) zur Homogenisierung und Synchronisierung von nationalen Qualifikationssystemen sowie Herstellung von Kohärenz in der Beschreibung beruflicher Qualifikation innerhalb der EU vor. Der e-CF hilft dabei, Brücken zwischen den verschiedenen Bereichen der nationalen Bildungssysteme zu bauen und unterstützt die Übersetzung nationaler Qualifikationen und Berufsprofile in eine multinationale Sprache sowie die Schaffung eines Orientierungsrahmens für Ausbildung und Personalentwicklung in allen EU-Staaten.

Zusammenfassend gilt als Leitorientierung für die Qualifizierung in einer global vernetzten Ökonomie:
Es ist notwendig, die Qualifizierung für eine neue Phase der Globalisierung als kollektiven Lernprozess zu gestalten und dabei das Ineinandergreifen aller Ebenen und Akteure abzusichern. Dabei zählen viel weniger Einzelkompetenzen, als der Übergang in eine neue Fachlichkeit. Menschen in die Lage versetzen, ihre berufliche Identität zu verändern und weiterzuentwickeln heißt, sie zu unterstützen, ihr Selbstverständnis an die Veränderungen anzupassen. Sie zu unterstützen heißt außerdem: Stabile berufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten entwickeln und transparent machen.

 

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