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Konsequenzen der Globalisierung für die Fachkräfteentwicklung

25.02.2011 | 08:48 | Susann Mathis

Susann Mathis: Vor einigen Tagen wurde die Umfrage " Internationalisierung im IT Mittelstand" vom Projekt GlobePro gemeinsam mit dem BitMi gestartet. Was ist das Ziel dieser Umfrage?
Andrea Baukrowitz: Wichtig ist uns vor allem, eine große Zahl von Fach- und Führungskräften im IT-Mittelstand zu erreichen, damit ihre Expertise zum Stand und den Folgen der Globalisierung in unsere Untersuchung einfließen kann. KMU bedienen häufig Nischenmärkte, in denen sich die Internationalisierung des Marktes und internationale Aktivitäten der Unternehmen sehr unterscheiden können. Auch entwickelt sich die Globalisierung anders als bei großen Unternehmen, zum Beispiel gibt es große Unterschiede bei der Arbeits- oder der Prozessorganisation. Gleichzeitig ist der Mittelstand der größte Teil des IT-Marktes in Deutschland, sowohl was Beschäftigungs- als auch Umsatzvolumen anbelangt. Wir prüfen, wie die Globalisierung die Zukunft des IT-Mittelstands beeinflusst.

Susann Mathis: In welchem Zusammenhang steht die Umfrage zu den anderen Untersuchungselementen im Projekt GlobePro?
Andrea Baukrowitz: Mit der Umfrage versuchen wir, Erkenntnisse aus den Unternehmen, in denen wir Fallstudien durchführen, in der Breite zu verifizieren. Die Umfrage ist dabei sehr differenziert angelegt, so dass wir nicht Stereotype reproduzieren, sondern detaillierte Erkenntnisse gewinnen.

Susann Mathis: Was heißt das konkret, wie lauten solche differenzierte Fragen, die sich aus den Fallstudien ergeben?
Andrea Baukrowitz: Wir untersuchen im Detail, wie sich die Arbeit durch die Globalisierung verändert und welche Bedeutung die Globalisierung für Unternehmen und IT-Fachkräfte hat: Wie stellen sich die Unternehmen auf diese Herausforderung ein? Welche Fachkräfte und Kompetenzen benötigen sie dafür? Wie verändern sich die Arbeitsprozesse? Welche neuen Qualifikationsanforderungen kommen damit auf die Fachkräfte zu? Das sind die Fragen, die uns interessieren.

Susann Mathis: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?
Andrea Baukrowitz: Wir erwarten eine große Bandbreite in den Formen der Globalisierung, je nachdem in welchen Branchen, auf welchen Märkten ein Unternehmen sich bewegt, wer seine Kunden sind und ob es die Globalisierung eher als Chance oder als Risiko betrachtet. Auch in den strategischen Orientierungen der Unternehmen erwarten wir erhebliche Unterschiede - von einem eher reaktiven Folgen der Kunden an internationale Standorte über eher kostenorientierte Strategien wie die Auslagerung an Offshore-Standorte bis hin zu global integrierten Geschäftsmodellen.

Susann Mathis: Und die Folgen für die IT-Profis selbst? Welche Erkenntnisse haben hier bisher die Fallstudien hervorgebracht?
Andrea Baukrowitz: In unseren bisherigen Untersuchungen sind wir immer wieder darauf gestoßen, dass sich mit der Arbeit in internationalen Softwareprojekten oder auch in international verteilten IT-Service-Prozessen sehr grundlegende Dinge verändern. So geht mit der Internationalisierung häufig die Standardisierung von Prozessen einhergeht. Die Fachkräfte thematisieren häufig die Notwendigkeit, sich an formale Prozessvorgaben zu halten.
Außerdem ist in der internationalen Zusammenarbeit die Schnittmenge des implizit geteilten Wissens sehr viel kleiner als gewohnt , das macht es sehr viel schwieriger, sich über Anforderungen an das Produkt, über die gemeinsame Arbeitsorganisation, über Konfliktlösung und vieles mehr zu verständigen. Und auch auf der Ebene von Technologien und IT-Produkten wandeln sich die Anforderungen an IT-Profis durch die steigende Komplexität der Systeme bei gleichzeitiger Modularisierung und Vereinfachung einzelner Komponenten.

Susann Mathis: Für wen sind die Ergebnisse dieser Befragung interessant?
Andrea Baukrowitz: Es geht uns nicht nur darum, wo die Unternehmen heute stehen, sondern vor allem darum, welche Konsequenzen das für die Qualifikation und die Fachkräfteentwicklung hat. Wir wollen die Frage beantworten „Welche Qualifikationen machen fit für die Globalisierung?" und diese Antworten sind nicht nur für die Fachkräfte selbst interessant, sondern auch für Personalentwickler und für die Anbieter von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Außerdem sollte man einen weiteren Aspekt nicht unterschätzen: kleine und mittlere Unternehmen nehmen sich häufig vereinzelt war, weil sie als Einzelner in einer (internationalen) Nische agieren. Wir wollen in diesem Projekt Trends jenseits dieser Besonderheiten analysieren, Grundtendenzen aufzeigen und so Führungskräfte im IT-Mittelstand unterstützen.

Susann Mathis: Frau Baukrowitz, vielen Dank für das Gespräch.

Link zur Umfrage: https://www.surveymonkey.com/s/InternationalisierungdesIT-Mittelstand

 

 

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