GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

Expertenforum GlobePro ausgebucht  

09.03.2011 | 10:17 | Susann Mathis

In zwei Wochen, am 25. März, findet in München das Expertenforum des Projekts GlobePro statt. Der Titel lautet "Herausforderung Globalisierung 2.0 - Qualifikation und Fachkräfteentwicklung in der globalen IT-Branche". Andrea Baukrowitz fasst die letzten Infos zum Expertenforum zusammen

Susann Mathis: Worum wird es bei der Veranstaltung gehen?
Andrea Baukrowitz: Globalisierung in der IT-Branche - das bedeutet einen tief greifenden Umbruch, der erhebliche Anforderungen an die Innovations- und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten stellt. Qualifikation ist hier ein zentraler Erfolgsfaktor. In einer Phase intensiver Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Projekt GlobePro haben wir die Konsequenzen der Globalisierung für die Qualifikationsentwicklung in der IT-Branche untersucht. Nun stellen wir diese Erkenntnisse in dem Expertenforum zur Diskussion und schaffen den Raum für einen intensiven Erfahrungsaustausch unter den TeilnehmerInnen aus Unternehmen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, Verbänden und der Forschung.

Susann Mathis: Welche Themen haben die VeranstalterInnen für das Expertenforum vorbereitet?
Andrea Baukrowitz: Die Veranstaltung hat drei Phasen. In einem ersten Schritt wird die Analyse des Forscherteams des ISF München zur Globalisierung in der IT-Branche und den Konsequenzen für die Qualifikationsentwicklung im Zentrum stehen. Daran schließen sich Beiträge aus der Praxis an, die aus Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften kommen. Am Nachmittag werden dann in zwei parallelen Workshops Diskussion und Erfahrungsaustauch im Vordergrund stehen.

Susann Mathis: Welche Themen werden die ReferentInnen behandeln?
Andrea Baukrowitz: Wir freuen uns, dass wir so unterschiedliche und kompetente Referenten gewinnen konnten. Zum Beispiel wird Dr. Klaus Rüffler, Geschäftsführer Personal von DB Systel GmbH über Herausforderungen für das HR-Management in einem global agierenden Konzern referieren, und Dr. Oliver Grün für den IT-Mittelstand. Dr. Grün bringt dabei sowohl seine Erfahrungen als Vorstandsvorsitzender des BitMi als auch als Vorstand der GRÜN Software AG ein. Frau Bayer, Bereichsleiterin Weiterbildungspolitik bei ver.di bringt Erfahrungen als Sozialpartner in der Berufsbildung ein und setzt sich mit den Potentialen des Konzepts der Facharbeit in globalen Dienstleistungsbranchen auseinander. Klaus Bock-Müller von der szenaris GmbH wird einen praktischen Lösungsansatz für die Ausbildung von Fachinformatikern und Mediengestaltern vorstellen. Aber diese vier seien hier nur exemplarisch genannt. Insgesamt haben wir sehr interessante ReferentInnen und erwarten uns fachkundige Beiträge zur Praxis der Globalisierung und ihren neuen Qualifikationsanforderungen.

Susann Mathis: Was erwarten sich die VeranstalterInnen von den Workshops?
Andrea Baukrowitz: Die Workshops adressieren zwei zentrale Herausforderungen für eine nachhaltige Qualifikationsentwicklung: Workshop 1 befasst sich mit der Frage, wie eine vorausschauende, systematische Aus- und Weiterbildung organisiert werden kann. Hier werden die Chancen und Risiken internationaler Qualifikationsstandards sowie ihre Innovationspotentiale für die Aus- und Weiterbildung im Mittelpunkt stehen. Workshop 2 verfolgt die Frage, welche neuen Qualifikationsanforderungen entstehen und welche Anforderungen sich daraus für Unternehmen und Fachkräfte ergeben.

Die vollständige Einladung und das Programm als PDF

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Bisher 1 Kommentar

14.04.2011 | 15:29

Robert Juergens

Im Nachgang zu der GlobePro Veranstaltung möchte ich Ihnen noch einige Thesen zu den Ursachen der nachlassenden Qualität der IT-Dienstleistung in Deutschland formulieren. Es wurde u. A. von beobachteten „Ineffizienzen“ der IT-Dienstleistung im Zusammenhang mit der Globalisierung berichtet. Nach meiner Meinung ist aber auch zusätzlich ein empirisch belegbarer Kompetenzverlust zu beobachten. Dieser lässt sich nur mit einer zunehmenden Entfremdung von Kunden und Experten erklären. Verschiedene Hypes der letzten Jahre haben Erwartungen der Kunden geschürt, zu deren Erfüllung unverzeihliche Fehler begangen wurden. Vor allem die allgemeine Verfügbarkeit von Linux auf preiswerter Hardware hat bei vielen Kunden die Überzeugung ausgelöst, ihre Business-Anforderungen nahezu zum Nulltarif zu erhalten. In dem Expertenforum in München war aber davon die Rede, dass erst durch Standardisierungen eine Chance besteht, Kosten verursachende Abhängigkeiten von „Künstlern“ und „Informationsmonopolisten“ zu vermeiden. Dies wird etwa durch den Einsatz von Linux konterkariert. In der originären, von der Mainframe- und Midrange-technologie geprägten Unix-Welt hat man erfolgreich zahlreiche Standards etabliert und beachtet seit mehr als zwanzig Jahren die volle Einhaltung der sog. POSIX.1-Konformität. Diese stellt die Austauschbarkeit entwickelter Anwendungen sicher und ermöglicht so, die jeweils günstigsten Server der „seriösen“ Klasse auswählen zu können. Ich selbst verfüge inzwischen über ein nagelneues MacBook Pro, welches unter der Haube durch ein UNIX-Betriebssystem (Darwin) angetrieben wird. Interessanterweise erfüllt dieses MAC OS X ebenfalls die volle POSIX.1-Konformität. Damit könnte ich durchaus Mainframe-Anwendungen, sofern nicht transaktionsorientierte, problemlos auch auf diesem Endgerät betreiben. Das Linux ist jedoch durch eine OpenSource-Gemeinde auf die neue, billige Endgeräte (PC_x86) Technologie, portierte UNIX-Variante, die nur zum Teil die POSIX.1-Konformität erfüllt. Somit sind die Standardisierungsbemühungen der IT-Dienstleister massiv bedroht. Es ist auch ohne weiteres Einsichtig, das die Produktion von Business-IT-Leistungen nicht auf Endgeräten erfolgt. Dies kann man leicht am Beispiel eines Geldautomaten nachvollziehen, welches lediglich einen Service-Punkt einer Transaktion darstellt. Die dahinter liegende, transaktionsverarbeitende Technologie ist nach wie vor eine Mainframe-basierende, und ohnehin eine Domäne dieser Technologie. Eine Ablösung durch etwas weniger Zuverlässiges wäre für die Banken ein Desaster. Diese sehen daher auch kein Problem in der Qualifizierung ihres Nachwuchses durch die erfolgreiche und nachhaltige Vermittlung sowohl der traditionellen als auch der neuen IT-Technologien. Dies ist der Kernpunkt meiner Aussage: Die Koexistenz verschiedener Kompetenzen, die aktuelle der „Digital Natives“ und die konventionelle der „Digital Immigrants“. Da für die IT-Dienstleister in Deutschland die Wahl von Linux für die Produktion von Services ein Irrweg ist, benötigt man zwingend Mainframe- und Midrange-technologie und deren Kompetenzen. Der ohnehin enorm gespreizte Kompetenzbedarf in der IT macht es dem Einzelnen unmöglich, die Wertigkeit einer vorhandenen Kompetenz ohne die Hilfe der Experten richtig zu beurteilen. Dies hat einen Einfluss auf die Führungskultur in der IT-Branche, die gänzlichen eigenen Regeln unterliegen muss. Vor diesem Hintergrund ist es daher besonders bedauerlich, wenn Führungskräfte ein Kompetenzmonopol in Anspruch nehmen, welches ihnen nicht zusteht. Ein inzwischen flächendeckend zu beobachtende Entwicklung in den IT-Unternehmen. So häufen sich die Klagen der Experten, die Führungskräfte würden Entscheidungen durchsetzen, die nicht nur unverantwortlich seien, sondern jeglicher Grundlage entbehren. Die daraus resultierenden Betriebsrisiken seien inzwischen nicht mehr abzudecken. Es wurde nicht umsonst auf die Notwendigkeit auch neuer Personalstrategien hingewiesen, dazu gehört meiner Meinung nach zwingend eine neue, eigenständige, an die Bedürfnisse der IT-Branche angepasste, Führungskultur. Ich möchte meine hier zum Ausdruck gebrachte These auch als Warnung verstanden wissen, dass die zitierten „Ineffizienzen“ die Grenze zur Inkompetenz nicht überschreiten mögen. Fest steht, dass die neuen, bunten Technologien lediglich Oberflächen darstellen, die wesentlichen IT-Bausteine hingegen nicht sichtbar unter der Haube werkeln, und zwar in einem ähnlichem Verhältnis, wie bei einem Eisberg: 10% über der Wasseroberfläche, sichtbar, die Domäne der „Digital Natives“, 90% unter der Wasseroberfläche, unsichtbar, die Domäne der „Digital Immigrants“. So weit meine These Robert Juergens Dipl. Physiker