GlobePro

Global erfolgreich durch professionelle Dienstleistungsarbeit.

Andreas Boes: zur Ausrichtung des Projekts GlobePro

04.11.2009 | 10:58 | Susann Mathis

Andreas Boes antwortet auf die Fragen:

Warum stehen die IT-Dienstleistungen im Mittelpunkt des Projekts und warum ist das Projekt auf den Zusammenhang „Globalisierung und Qualifizierung" ausgerichtet?

Wir stellen bei unseren Betrachtungen die IT-Dienstleistung in den Mittelpunkt, weil die IT-Branche nicht nur die Infrastruktur für die Internationalisierung der Wirtschaft liefert, sondern auch Vorreiter ist. Vorreiter ist sie, weil sie früher als andere Dienstleistungsbranchen die Globalisierung der Wirtschaft als strategische Herausforderung begriffen hat. Da sie für die anderen Wirtschaftsbranchen mit IT-Lösungen das "Rückgrat" globaler Geschäftsmodelle liefert, ist sie gefordert, die Realisierbarkeit dieser neuen Konzepte am eigenen Beispiel vorzuexerzieren. Schließlich muss sie ja ihre Kunden von deren Machbarkeit überzeugen können. Die IT-Branche hat daher vergleichsweise früh ihre Arbeits- und Geschäftsmodelle auf die Erfordernisse einer globalen Wirtschaft eingestellt und verfügt über vielfältige Erfahrungen.

Für die Antwort auf den zweiten Teil der Frage – warum wir uns bei der Globalisierung beim Projekt GlobePro auf die Frage der Qualifizierung konzentrieren – muss ich etwas weiter ausholen: Aktuell befinden wir uns in der dritten Phase der Internationalisierung. Nachdem zunächst der Vertrieb internationalisiert wurde (Stichwort "Follow the Customer" in der ersten Phase ) wurde in einer zweiten Phase die Produktion von Gütern weltweit verteilt. Grund dafür waren vor allem Kostenvorteile durch geringere Lohnkosten.

Jetzt, in dieser dritten Phase, erleben wir mit der global integrierten Produktion etwas vollkommen Neues. Systematisch werden weltweit verteilte Standorte integriert und durch eine globale Infrastruktur verbunden. Im Prinzip handelt es sich um einen neuen Typ der Industrialisierung. Die Unternehmen agieren zwar vor Ort, das Zentrum ihres Aktionsraums aber ist der - virtuelle - Informationsraum. Möglich ist das nur durch die modernen Informations- und Kommunikationsnetze. Nur durch das Internet ist globales Handeln möglich. Im Umgang mit digitalen Informationen wird Arbeit global verteilt.

Der Informationsraum bestimmt nun die Geographie der Wirtschaft. Produktionsprozesse organisieren sich in einer internationalen Raum-Zeitstruktur, dezentrale Organisationsstrukturen werden mit einer zentralen Steuerung kombiniert. Damit einher gehen neue Arbeitsformen und eine veränderte organisatorische Einbindung der Beschäftigten – ein grundlegender Wandel der Beschäftigtenstruktur: „Informationsberufe" werden zur größten Beschäftigtengruppe.

Qualifizierung ist entscheidend: Die Unternehmen und ihre Angestellten müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Viele arbeiten in international zusammengesetzten Projektteams. Die Fähigkeit, in weltweiten Wertschöpfungsketten agieren zu können, entscheidet über den Erfolg der Unternehmen und Menschen. Arbeitsmethoden und Kompetenzanforderungen gleichen sich international an. Die Bedeutung der internationalen Vergleichbarkeit von Qualifikationen wächst.

Wir haben mit dem Projekt Export IT hat die Grundlagen der aktuellen internationalisierten Unternehmensrealität analysiert. Im Zusammenhang mit unseren anderen Forschungsprojekten haben wir ein präzises Bild von der Globalisierung und ihren Konsequenzen für das Arbeitsleben gezeichnet. Darauf baut das Projekt GlobePro nun auf. GlobePro untersucht Geschäftsmodelle, die jetzt schon global erfolgreich sind, um verallgemeinerbare Strategien für eine erfolgreiche Internationalisierung zu entwickeln. Qualifizierung ist ein tragender Pfeiler erfolgreicher Strategien.

In den letzten Blog-Beiträgen haben Dr. Ehrke und Herr Hill ihre Ausgangspunkte und Projektinteressen konkretisiert. Mich würde nun interessieren, welche Aspekte der beruflichen Aus- und Weiterbildung die anderen Projektpartner jeweils in den Mittelpunkt stellen.

zurück zur Übersicht